Craft Bier. Was heißt das eigentlich?

 

Maische, welche im Schweiße des Brauers Angesicht von Hand gerührt wurde?

Gußeiserne Sudpfannen, die von einem romantischen Holzfeuer beheizt werden?

Bei Vollmond handgepflückter Hopfen?

Hopfendolden

Wohl eher nicht.

Es gibt viele Interpretationen.

 

Eine Beliebte ist, dass Craft Biere nur "handwerklich" in kleinen Mengen in Manufakturen hergestellt werden.

 

Nunja...Ein Beispiel: Die Stone Brewing Company, eine exzellente Craft Brauerei aus den USA, produziert jährlich über 450.000 Hektoliter Bier und beschäftigt 1100 Mitarbeiter! In den USA, der Geburtsstätte des Craft-Trends, dürfen sich Brauereien Craft auf das Etikett schreiben, solange sie weniger als 7,2 Millionen (!) Hektoliter pro Jahr brauen. Demnach wären fast alle Brauereien in Deutschland Craft Brauereien.

 

Es ist nicht relevant, ob man das Bier, wie ich, auf einer 170 l Anlage braut, oder auf einer 10.000 l Anlage. Ob man die Temperatur manuell, oder mit einem Computer steuert. Ob man von Hand mit einem Holzpaddel rührt, oder ein Motor die Arbeit übernimmt.

 

Das hat alles keinen Einfluss auf die Qualität. Man kann auf jeder Anlage ein tolles Bier brauen.

 

Braukessel von der Nano Brauerei Hopf nei

 

Entscheidend ist das Rezept, der Brauer und ein absolut fehlerfreier Prozess von der Wasseraufbereitung bis zur Abfüllung!

 


Malzmischung

Unabhängigkeit wäre auch eine Definitionsmöglichkeit, allerdings sind in viele Craft Bier Brauereien mittlerweile Großinvestoren eingestiegen. Verlieren die vermarkteten Biere dadurch ihren Craft Status, obwohl sie die selben bleiben?

 

Bessere Qualität? Wie definiert sich Qualität in dem Fall überhaupt?

 

Und was ist eigentlich mit den über mehrere Generationen geführten Gasthausbrauereien? Craft oder Brautradition?

 

Man könnte abendfüllend darüber diskutieren, Craft Bier bedeutet für jeden etwas anderes. Mittlerweile wird "Craft" äußerst inflationär für Alles verwendet, sogar für Katzenfutter. Die Aussagekraft geht gegen null. Aus diesem Grund bin ich kein besonders großer Fan dieses Begriffs, und benutze ihn nicht länger für mein Bier.

 

 

Persönlich unterscheide ich eher in "Alltagsbiere" und "außergewöhnliche Biere". Dabei spreche ich den Alltagsbieren keine gute Qualität ab. Ist ein Pils aus der TV-Werbung ein schlechteres Bier, als meins? Nö! Ganz und garnicht. Ein Standardpils hat lediglich alle Ecken und Kanten abgeschliffen, um den Geschmack einer möglichst großen Zielgruppe zu treffen. Äquivalent zum Hollywoodblockbuster, der jeden Kinobesucher unterhält, ohne ihn zu überfordern.

 

Die außergewöhnlichen Biere sind dann so etwas wie das Independent Kino. Vergessene Genres, Reinterpretationen von bewährten Stilen, oder völlig neue Ideen. Und hier liegt auch ein Problem. Manche dieser Stile sind derart außergewöhnlich, z.B. ein Rauchbier, Sauerbier, oder das moderne India Pale Ale mit knapp 100 Bittereinheiten, dass sie für einen Großteil des Publikums so attraktiv sind wie ein französischer Stummfilm in Schwarz-Weiss - ohne Untertitel!


Maische

An der US-Westküste stehen die Craft Brauereien zur Zeit im Wettkampf, wer es schafft, mehr Hopfen in seinem Bier unterzubringen. So kommen bald jeden Tag neue Biere mit krassen Aromen und extremer Bitterkeit auf den Markt, von denen einige wirklich lecker sind. Lässt man diese Biere aber einen unerfahrenen Biertrinker kosten, stehen die Chancen nicht schlecht, dass er sich in die Fötushaltung einrollt und in fremden Zungen zu sprechen beginnt.

 

Hefe

 

Auf meinen Partys war das immer der Knackpunkt. Tolles Craft Bier war bis jetzt oft zu teuer für den Festausschank (7 - 10 € / l) und meist nur begrenzt in Einzelflaschen erhältlich. Dazu treiben viele Sorten den jeweiligen Stil auf die Spitze, vor allem was den Alkoholgehalt und die Bitterkeit angeht. Das ist vollkommen in Ordnung und oft sehr schmackhaft, die Biere verlieren dadurch aber ihre Süffigkeit. Fassbier widerum bedeutet großteils Standardpils.

 

Genau das möchte ich ausbalancieren!

 

Mit außergewöhnlichen Bieren, die aber nichts an Partytauglichkeit einbüßen. Außergewöhnliche Biere, die man nicht in der 0,33 l Flasche, sondern im Fass kaufen kann - zu gescheiten Preisen! Der kleinste gemeinsame Nenner muss bei Bier nämlich garnicht so klein sein, wie bei einem TV-Pilsner. Auch geschmackvollere Biere kommen, richtig abgestimmt, bei praktisch allen Leuten gut an!

 

Hopfenstopfen im Gärtank

 

Die Rezeptfindung gestaltete sich denkbar knifflig. Für Bier Normalos ist es ein sehr schmaler Grat zwischen "Wow, das ist mal was Neues!" zu "Neeee, das schmeckt gar nicht wie normales Bier!"

 

Biere, die diese Herausforderung bewältigen, nennt man Neudeutsch "Gatewaybiere", weil sie auch konservative Biertrinker erfolgreich in die moderne Bierwelt einführen. Die angebotenen Sorten, der Tropische Gluggser, ein fruchtiges Pale Ale, der Zahme Gluggser, ein leichtes und dennoch vollmundiges Session Pils  und das Wienerina, ein bersteinfabenes malziges Wiener Lager bestreiten genau diesen Balanceakt.

 

Tropischer Gluggser Pale Ale
Zapfanlage für Craft Bier mit Durchlaufkühlung

 

Die Biere sind genau abgestimmt und mit Fokusgruppen (lies: Garten-/Hauspartys) über ein Jahr entwickelt und getestet worden, bis der ideale Punkt zwischen besonderem Aroma und Partytauglichkeit gefunden wurde. Detailierte Produktbeschreibung im Shop.

 

Kommt einfach mal vorbei und kostet ein Gläschen!